Als Beleuchtungsberater bei Sensora Smart AG erkläre ich, welche vier Faktoren den Wartungsfaktor (MF) bei LED‑Systemen bilden, welche Folgen falsche Annahmen haben und wie Sie als Auftraggeber sinnvoll vorgehen. — Dan Flühmann
Tobias Steffen hat zwei Offerten für eine LED‑Beleuchtung eingeholt. Beide Angebote unterscheiden sich deutlich beim Wartungsfaktor (MF). Er fragt sich, was diese Zahl bedeutet und ob die Angebote überhaupt vergleichbar sind.
Im Folgenden erkläre ich die vier exakten Faktoren, zeige die Rechnung und nenne die Schritte, die Sie als Auftraggeber gehen sollten.
Der MF ist ein dimensionsloser Faktor ≤ 1. Er reduziert die Anfangsbeleuchtungsstärke auf die erwartete erhaltene Beleuchtungsstärke über eine definierte Bewertungszeit.
Formel: benötigte Anfangsbeleuchtungsstärke = Ziel‑Beleuchtungsstärke / MF.
Ein realistischer MF stellt sicher, dass die geforderte Beleuchtungsstärke während der Nutzungsdauer eingehalten wird, ohne unnötig zu überdimensionieren.
Der LSF beschreibt den Ausfall von Lichtquellen (bei LED: Ausfall einzelner Module oder Elektronik) während der Bewertungszeit. Er ist ein Faktor zwischen 0 und 1 und wird aus Zuverlässigkeitsdaten oder Herstellerangaben abgeleitet.
Der LLMF beschreibt die Abnahme des Lichtstroms der LED‑Quelle über die Nutzungsdauer (Lumen‑Degradation). Typische Angaben sind L80, L90‑Werte oder TM‑21‑Prognosen; daraus leitet der Planer den LLMF‑Faktor (z. B. 0.80).
Der LMF beschreibt den Einfluss der Verschmutzung und Alterung des optischen Systems der Leuchte (Abdeckungen, Reflektoren, Treiber). Entscheidend sind Schutzart (IP), Umgebungsverschmutzung und Reinigungsintervalle. LMF‑Werte stammen aus praxisorientierten Tabellen oder Herstellerangaben.
Der RSMF beschreibt die Verringerung des Reflexionsgrades von Decken, Wänden und Böden über die Zeit. In Industrie‑ oder Tunnelbereichen ist der Rückgang stärker als in Büros. RSMF‑Werte entnimmt der Planer Tabellen oder er misst Referenzwerte.
Gesamtformel: MF = LSF × LLMF × LMF × RSMF
Alle vier Werte zieht der Lichtplaner idealerweise aus Datenblättern, Herstellerangaben oder anerkannten Tabellen und multipliziert sie. So entsteht der projektspezifische MF.
Wenn der MF zu optimistisch gewählt wird (zu nahe bei 1), installieren Sie zu wenig Lichtleistung. Folge: Die Beleuchtungsstärke sinkt unter die Anforderungen; Nachrüstungen werden nötig.
Wenn der MF zu konservativ gewählt wird (zu klein), zahlen Sie für unnötig viele Leuchten und mehr Energie. Beide Fehler verschlechtern die Wirtschaftlichkeit.
Die konkrete Bestimmung der numerischen MF‑Werte ist Aufgabe des qualifizierten Lichtplaners. Als Auftraggeber können und sollten Sie Anforderungen an Wartung und Reinigungsintervalle vorgeben. Die Aufgaben des Planers sind:
Fordern Sie vom Planer die Offenlegung der vier Faktoren als Zahlenwerte. Nur so sind Angebote vergleichbar.
Sie können Wartungs‑ und Reinigungsanforderungen vorgeben. Die numerische Bestimmung der MF‑Parameter gehört jedoch in die Hände des Lichtplaners.
Primär aus Hersteller‑Datenblättern (LSF, LLMF) und aus praxisorientierten Tabellen oder Messungen (LMF, RSMF). Der Planer kombiniert diese Quellen und prüft die Plausibilität.
Nein. Dieser Artikel richtet sich an gewerbliche und industrielle Anwendungen. Für private Wohnprojekte genügt meist ein vereinfachter Ansatz.
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Dan Flühmann, Beleuchtungsberater bei Sensora Smart AG — Beratung für Lichtplanung, MF‑Berechnungen und LCC in der Schweiz.
Last updated: 2026‑05‑27